Überwacht, belogen, befördert: Die Scheinmoral der Tech-Eliten

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Überwacht, belogen, befördert: Die Scheinmoral der Tech-Eliten
Photo by Jametlene Reskp / Unsplash

Wenn ein CFO Bilanzen fälscht, landet er im Gefängnis. Wenn ein CTO massenhafte Überwachung organisiert, wird er befördert.

Metas Localhost Tracking-Programm ist ein Paradebeispiel für den moralischen Verfall in der Tech-Branche. Die Android-Apps von Facebook und Instagram führten heimlich Hintergrundprozesse aus, die VPNs und den Inkognito-Modus aushebelten und ganze Browserverläufe mitschrieben. Selbst wer Tracking deaktiviert hatte, wurde kompromittiert. Betroffen: 22 % der weltweit wichtigsten Websites. Die Nutzer: ahnungslos.

Das war kein technischer Fehler, es war ein gezielter Angriff auf Privatsphäre von hunderten Millionen Menschen und Sicherheitsarchitekturen. Meta nutzte gezielt Lücken in WebRTC, unterlief Androids Sicherheitskonzept und baute lokale Schnittstellen zur Deanonymisierung auf. Ein Überwachungssystem, das jede Grenze überschritt. Geplant, abgesegnet von Mark Zuckerberg, umgesetzt.

Wäre ein kleineres Unternehmen so vorgegangen, würde man von einer ernsthaften Cyberbedrohung sprechen. Stattdessen reden wir über Bußgelder, die Meta aus der Portokasse zahlt. Die Rede ist von bis zu 32 Milliarden Euro. Das sind nicht einmal zwei Prozent des Börsenwerts.

Ein Reputationsproblem? Fehlanzeige. Die Nutzer verwenden die Plattform als sei nichts gewesen.

Andere Branchen kennen solche Nachsicht nicht. Finanzbetrug? Gefängnis. Betrugssoftware in der Autoindustrie? Strafverfahren. Doch wenn Tech-Führungskräfte gezielt Grundrechte brechen, bleibt das straflos. Die Vorfälle werden behandelt wie irrelevante regulatorische Ausrutscher.

Die Fakten in diesem Fall liegen auf dem Tisch: Die Anforderungen wurden schriftlich festgehalten. Die Risiken diskutiert. Die Rechtsabteilung hat zugestimmt. Das Management war informiert. Viele Jahre wurde die Überwachung ungestört betrieben. Und zwar nicht trotz interner Kontrollen, sondern ohne Konsequenzen, weil niemand eingreifen wollte. Nicht aus Unwissenheit, sondern aus Kalkül. Weil persönliches Risiko nicht existierte, die persönlichen Karrieregewinne aller Beteiligten aber sehr wohl.

Diese Kultur der Verantwortungslosigkeit der sogenannten Tech-Bros ist keine Schwäche: Sie ist systemisch.

Es reicht nicht zu sagen: „Ich habe nur meinen Job gemacht.“ Wer Entscheidungen trifft, trägt Verantwortung. Der eigentliche Skandal liegt nicht in der Ausnutzung dieser technischer Schwachstelle sondern vielmehr in einer Führungskultur die das hinnimmt.

Digitale Massenüberwachung ist kein Kavaliersdelikt. Sie ist ein schweres Verbrechen und gehört als solches geahndet. Tech-Führungskräfte müssen endlich persönlich und umfassend zur Rechenschaft gezogen werden.

Originales Posting von Paulo Ferreira auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7339720663265370113/

Quelle: https://arstechnica.com/security/2025/06/meta-and-yandex-are-de-anonymizing-android-users-web-browsing-identifiers/

Quelle: https://www.heise.de/news/Fiese-Schnueffelei-Meta-und-Yandex-spionierten-Nutzer-ihrer-Android-Apps-aus-10425177.html

Quelle: https://www.all-about-security.de/enthuellt-meta-und-yandex-nutzten-versteckte-localhost-technik-zum-app-tracking-auf-android/

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