Jetzt erobert Facebook die Welt

Mit über 400 Millionen angemeldeten Nutzern ist Facebook schon seit geraumer Zeit einer der wirklich großen Player im Internet. Ständiges Wachstum der Nutzerzahlen gibt dem Konzept hinter der Firma offensichtlich recht. Nun präsentierte Facebook Gründer Mark Zuckerberg seinen nächsten Coup: Mittels sogenannter "Social Plug Ins" wird es zukünftig auch außerhalb von Facebook möglich sein sich mit diesem sozialen Netzwerk zu verbinden. Als wesentliche Neuerung gilt der neue "Like"-Button (auf Deutsch "gefällt mir"). Diesen kann nun jeder Webseitenbetreiber zu jedem Seiteneintrag hinzufügen und erlaubt Besuchern damit unmittelbar mit einem Klick die gerade betrachtete Webseite für andere Facebook-User zu empfehlen. Auf dem eigenen Facebook-Profil erscheint eine Nachricht, wonach der Benutzer die jeweilige Seite empfiehlt, natürlich inklusive Link über welchen Freunde die Empfehlung auch gleich ansurfen können.

Ein weiteres Plug-in ist der sogenannte "Activity Feed". Webseitenbesucher können damit sehen, welche anderen Facebook-Freunde die besuchten Seiten ebenfalls empfohlen ("geliked") haben. Ein Shop-Betreiber kann damit etwa dann gezielt diejenigen Produkte anzeigen, welche Freunde aus Facebook ebenfalls mögen. Das "Facepile"-Plug-in ermöglicht es, dass sogar die Profil-Bilder von angemeldeten Besuchern angezeigt werden. Sämtliche neuen Plug-ins lassen sich sehr einfach in vorhandene Webseiten einfügen.

Aus der Perspektive von Webseiten Betreibern sind damit sehr starke Marketing-Werkzeuge entstanden. Facebook bezeichnet das zurücknavigieren der Benutzer von Web-Inhalten auf das eigene Facebook-Profil "Open Graph". Dies eröffnet auch dem Webseiten Betreibern neue Möglichkeiten. Wenn ein Besucher einen Inhalt über den "Like"-Button empfiehlt, öffnet er dem Webseiten Betreiber einen Weg zu dessen Facebook-Profil. Das bedeutet aber nicht, dass ein Webseiten Betreiber das gesamte User-Profil auslesen kann. Aber basierend auf dessen Empfehlungen soll er dank einer überarbeiteten Programmierschnittstelle wesentlich einfacher Facebook Anwendungen stricken können, die auf dem sozialen "Graph" der Nutzer aufbauen. Mark Zuckerberg verspricht den Werbetreibenden über ein eigenes Tool das Benutzerverhalten analysieren zu können, im Prinzip handelt es sich um eine Schmalspurversion von Google Analytics. Alter, Ort, Geschlecht oder ach die Frequenz der Emfpehlungen können damit einfach ausgewertet werden.

Datenschutzrechtlich bieten diese enormen Möglichkeiten natürlich viele Risiken. Wenn Internetnutzer über Funktionen wie "gefällt mir" mehr über ihre persönlichen Vorlieben preisgeben, ermöglichen sie Anderen natürlich sehr leicht Persönlichkeitsprofile zu erstellen, auch wenn Mark Zuckerberg versicherte, dass durch die neuen Funktionen nicht mehr Informationen als bisher über die Nutzer einsehbar sein werden. Die unzähligen, nicht immer positiven Änderungen in den Datenschutzrichtlinien von Facebook gebieten auf jeden Fall Vorsicht. Viele Menschen sind sich nämlich nicht darüber im klaren, dass sie mit der Verwendung von Facebook persönliche Informationen herausgeben.

Nichts desto trotz würde ich mich natürlich über einen Klick auf "gefällt mir" über diesen Artikel freuen :-)

Read more

Ernsthafter digitaler Sicherheitsvorfall an der TU Wien

Ernsthafter digitaler Sicherheitsvorfall an der TU Wien

An der TU Wien kam es Ende vergangener Woche zu einem schwerwiegenden IT-Sicherheitsvorfall. Unbekannte verschafften sich unbefugten Zugriff auf das Universitätsnetzwerk und kompromittierten mehrere Benutzerkonten. Die Tragweite des Vorfalls ist derzeit noch nicht abschließend abschätzbar. Die Universität hat den Vorfall laut Presseinformation bereits zu Wochenbeginn ordnungsgemäß der Datenschutzbehörde gemeldet und

By Michael Mrak
Europa im digitalen Machtspiel: Warum Nichthandeln heute ein strategisches Versäumnis ist

Europa im digitalen Machtspiel: Warum Nichthandeln heute ein strategisches Versäumnis ist

In der aktuellen geopolitischen Lage zeichnet sich eine fundamentale strategische Herausforderung für Europa ab: Die Abhängigkeit von US-Technologiegiganten im Bereich kritischer digitaler Infrastruktur gefährdet nicht nur die wirtschaftliche Autonomie, sondern berührt elementare Fragen von Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Selbstbestimmung. Dieser Diskussionsbeitrag konkretisiert, warum Europa jetzt handeln muss — und warum Verzögerung

By Michael Mrak
„W“ - eine neue europäische Social Media Plattform im Kontext bestehender Alternativen

„W“ - eine neue europäische Social Media Plattform im Kontext bestehender Alternativen

Europa steht am Beginn einer neuen Phase digitaler Souveränität im Bereich sozialer Medien. Mit der Ankündigung der Social-Media-Plattform „W“  positioniert sich ein neu gestartetes Projekt als europäische Alternative zu X (ehemals Twitter) mit dem expliziten Anspruch, Datenschutz, echte Identität und Transparenz stärker zu garantieren als die US-amerikanischen Plattformen.  Was ist

By Michael Mrak